top of page

FÜR FEMALE EMPOWERMENT – WELTWEIT

Interview mit Bettina Sollinger geführt von Calvin Löw

Bettina Solinger ist Diplom Psychologin und hat ihren Abschluss 1992 an der Universität Konstanz und in Darmstadt gemacht. Ihr Fokus lag dabei auf der Arbeits-, Betriebs- und Organisationspsychologie. Sie ist seit 1998 bei der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit und verbrachte dabei einige Jahre in Asien und Südamerika. Seit 2012 ist sie die Direktorin der Internationalen Akademie für Führungskräfte in Gummersbach.



Liberale Führungskräfte: Made in Gummersbach.

Seit fast 30 Jahren gibt es Internationale Akademie für Führungskräfte der Friedrich-Naumann-Stiftung. Für die Liberale Perspektiven sprach Calvin Löw mit Bettina Sollinger, der Leiterin der Akademie über ihre Aufgabe, Female Empowerment und wie befreiend reine Frauenseminare für die Teilnehmerinnen sein können.


Calvin Löw (CL): Liebe Frau Solinger, wollen Sie sich zuerst kurz selbst vorstellen?


Bettina Solinger (BS): Aber natürlich... wer bin ich? Momentan bin ich die Leiterin des Referats Internationaler Austausch und Fortbildung der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit und leite damit auch die Internationale Akademie für Führungskräfte, kurz IAF. Diese Position habe ich seit 2012 inne, die Akademie gibt es in Gummersbach aber schon seit 1995. Von Hause aus bin ich Diplompsychologin mit dem Schwerpunkt Arbeits- und Organisationspsychologie.


CL: Was genau ist die IAF?


BS: Die IAF ist Teil der Auslandsarbeit der Stiftung und wir verstehen uns als Dienstleister für unsere internationalen Projekte. Wir bieten ein- und zweiwöchige Seminare sowie Trainings für Führungs- und Nachwuchsführungskräfte aus dem internationalen Partnerspektrums unserer Auslandsbüros an. Bei den Themen richten wir uns an den Wünschen und Anregungen unserer Projekte und Partner aus. Wichtig ist uns dabei das, was mit dem englischen Wort „cross-pollination“ gut beschrieben werden kann. Wir geben Input – halten aber keinen Frontalunterricht, sondern befördern einen intensiven Austausch, in dem die Teilnehmer und Teilnehmerinnen ihr Wissen und ihre Erfahrungen miteinander teilen und sich dabei auch selbst weiterentwickeln. Neben unseren Seminaren sind wir außerdem auch für die Organisation und Durchführung von Delegationsreisen zuständig. Dabei kommen Fachleute aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft aus einem Land oder einer Region und suchen hauptsächlich den Austausch mit Expertinnen und Experten in Deutschland.


CL: Die Ziele der IAF lassen sich damit gut als Networking, Wissenstransfer und Stärkung des internationalen Liberalismus zusammenfassen?


BS: Richtig! In vielen Teilen der Welt ist es nicht einfach, liberale Werte zu vertreten. Da haben wir in Deutschland sicherlich ein einfacheres Umfeld. Natürlich ist diese Arbeit kein Selbstzweck. Eine Reihe von „IAF Alumni“ waren oder sind mittlerweile in politischen Positionen, in denen sie Einfluss auf die Verhältnisse in ihren Ländern nehmen können, sei es als Bürgermeister oder Ministerin. Die Stärkung des Liberalismus und seiner Werte weltweit ist nicht nur für die Friedrich-Naumann-Stiftung wichtig, sondern auch gut für die internationale Zusammenarbeit Deutschlands.


CL: Was verwundert die Teilnehmer am meisten an Deutschland? Gibt es den ein oder anderen Kulturschock?


BS: Viele haben die Vorstellung von Deutschland als hochentwickeltes, modernes und organisiertes Land, in dem alles perfekt ist. Wenn sie dann hier sind, kommt der Zug zu spät, das Internet schwankt und viele Dokumente müssen in Papier abgegeben werden. Das führt dann schon mal zu einiger Verwunderung oder Belustigung.


CL: In dieser Ausgabe der Liberalen Perspektiven geht es unter anderem auch um den liberalen Feminismus. Welche Erfahrungen haben sie dabei bei Seminaren und auf Delegationsreisen gemacht? Sind Trends zu beobachten?


BS: Also, es ist zwar sehr subjektiv, aber über die letzten zehn Jahren konnte ich schon beobachten, dass mehr Frauen teilnehmen und diese auch selbstbewusster auftreten. Das liegt zum Teil an den Bemühungen unserer Auslandsprojekte, Frauen zu fördern, aber in einigen Gesellschaften ist sicherlich auch das Verständnis gewachsen, dass Frauen eine wichtige Stimme in der Gesellschaft haben und haben sollten. Auch deshalb haben wir in diesem Jahr zum ersten Mal ein Seminar nur für weibliche Führungskräfte veranstaltet.


CL: Haben sie Unterschiede zwischen dem „Frauen Seminar“ und gemischten Seminaren beobachten können?


BS: Interessant war für mich, dass in gemischten Seminaren die Diskussion über Frauen in der Politik sich oft eindimensional um „Quoten“ dreht. Starke liberale Frauen sind dabei oft gegen die Quote; sie möchten anerkannt wissen, dass sie aufgrund von Können da sind, wo sie heute sind, und nicht auf Grund ihres Geschlechts. In unserem Female Empowerment Seminar wurden neben den systemischen Widerständen, auch spontan selbst erlebte Herabwürdigungen und zuweilen sogar Gewalterfahrungen im politischen Bereich thematisiert. Obwohl es für manche Teilnehmerinnen sicherlich befreiend war, zu hören, dass sie mit solchen Erfahrungen nicht allein sind, war das Ganze aber keine Gruppentherapie. Es war eine offene Diskussion darüber, wie Frauen, die sich in Führungspositionen befinden oder solche anstreben, ihre Situation und die der nächsten Generationen verbessern können. Diese Erfahrungen werden in gemischten Seminaren weniger offen besprochen – vielleicht auch, weil die Teilnehmerinnen nicht als Opfer gesehen werden wollen.





CL: Denken Sie, dass die Seminare für viele Teilnehmerinnen auch eine Befreiung von ihrem alltäglichen Leben sind?


BS: Absolut! Und das trifft auf männliche und weibliche Teilnehmer zu. Für manche ist es sehr befreiend, sich der sozialen Kontrolle zu entziehen, die sie in ihren Heimatländern stark einschränkt: Sie werden im Laufe des Seminars immer offener, hinterfragen Traditionen und vergleichen die Situation in ihren Gesellschaften kritisch mit denen der anderen Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Dann kann es auch mal sein, dass ein Glas Wein, oder das Ablegen des Kopftuchs hier in der Akademie zur Option wird. What happens at IAF, stays at IAF!


CL: Vielen Dank für das Interview!


 



Calvin Löw, studiert Politikwissenschaft und Ethnologie in Frankfurt. Er ist seit langem in der LHG aktiv, interessiert sich für Außen- und Sicherheitspolitik. Er arbeitet für einen lokale FDP-Politiker, ist Vorsitzender der Frankfurter Ortsgruppe des Bundesverbandes Sicherheitspolitik an Hochschulen und Mitglied des FDP-Bundesfachausschusses für Internationale Politik und Programmmanager für die FNF.

bottom of page