Grußwort Präses

Liebe Leserinnen und Leser,

selten rang ich für ein Editorial so sehr nach Worten. Der russisch-ukrainische Krieg – der schreckliche Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine - lässt mich zwar nicht sprachlos, aber doch in weiten Teilen ratlos zurück. Ein Abriss zum Leitthema dieser Ausgabe, nämlich „Bildung“, erschiene mir falsch.

Die Verbrechen gegen die Menschlichkeit, die gut 1.700 km östlich von Berlin an der Tagesordnung sind, kann ich nicht unter den Tisch fallen lassen. Dort trifft rohe Gewalt nicht nur die Soldatinnen und Soldaten der ukrainischen Streitkräfte, sondern in voller Härte die ukrainische Zivilbevölkerung. Im Umgang mit Putin und seinen Lakaien weiß man inzwischen, dass alle Beteuerungen, Zusicherungen und jede Handreichung in Richtung Westen in den letzten zwei Dekaden kalte Lügen waren, alles Teil eines großangelegten Informationskriegs gegen den Westen, der jetzt noch härter weitergeht als zuvor.

Die Spaltung unserer offenen und damit auch vulnerablen Gesellschaft wird auch bei diesem Thema offensichtlich: Putin-Versteher von links und rechts geben sich in TV-Sendungen die Klinke in die Hand und die Ampel ringt dank der SPD-Bundestagsfraktion um eine eindeutige Haltung in der Frage der Unterstützung der Ukraine. Selbstkritisch muss auch ich eingestehen, dass ich Putin und Russland noch bis Dezember 2021 falsch eingeschätzt habe.

In Moskau will man an in die Zeit vor 1985 zurück, vor Gorbatschow, Perestroika und Glasnost – die Kosten spielen keine Rolle. Im besetzten Süden der Ukraine, besonders in Kherson, sieht man schon die ersten Anzeichen, wie sich das russische Terrorregime über die friedliche Bevölkerung her macht.

Lassen wir keinen Zweifel als Liberale aufkommen: Die Ukraine ringt im eigenen Land auch um unsere Freiheit. Für Russland ist weder am Dnjepr noch bei Lemberg/Lwiw Schluss. Die Geopolitik meldet sich mit Gewalt zurück auf die Tagesordnung. Ein „Weiter so“ wie vor dem 24. Februar 2022 kann es mit Putins Russland auch nach einem Ende der Gewalt nicht geben.

Wir wollen als VLA zu dieser Diskussion mit einem Symposium am 13. August 2022 einen Beitrag leisten. Mehr folgt unter www.liberale-akademiker.de.




ALEXANDER BAGUS

Präses